ROBERT MOSER

BIOGRAFIE

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>> Beteiligungen

>> Preise, Stipendien

>> Texte über die Arbeit
von Robert Moser

 



Atelier

Mag. art. Robert Moser
Schlüsselhofgasse 28
A 4400 Steyr
T: 07252 87531
robert.w.moser@gmx.at
robert-moser-atelier.at

Robert Moser: Ausstellung im OÖ Kulturquariter Linz 2015,. Foto: Katharina Acht

ROBERT MOSER

geb. 1964 in Steyr / Oberösterreich und ist dort aufgewachsen

Studium der Bildhauerei an der Hochschule Mozarteum in Salzburg bei Prof. Ruedi Arnold
1992 Diplom
seit 1986 Ausstellungen im In- und Ausland
lebt und arbeitet in Steyr / Oberösterreich


Preise, Stipendien, Einladungen, Werke im öffentlichen Raum

2016

Einladung durch das Österreichische Kulturforum Bratislava zu einem Artist in Residence Aufenthalt in der At Home Gallery Samorin verbunden mit Ausstellung in der ehemaligen Synagoge Samorin
2016 Arbeitsstipendium Land Oberösterreich
2013 Stipendium Land Oberösterreich im Atelierhaus Salzamt Linz
2013
Privat-Stipenium 2013
2012
Privat-Stipenium 2012
2011
Preis der WKOÖ für ein Artist in Residence Arbeitsstipendium
2011
Arbeitsstipendium Land Oberösterreich
2010
2010
Arbeitsstipendium Land Oberösterreich
2010
Stipendium Land Oberösterreich Krumau Internationales Egon-Schiele-Zentrum
2010
Fastentuch Pfarr- und Wallfahrtskirche Chrsitkindl
2008

Preis des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten für "Ragazzi nel pallone"
2008
Einladung zu Arbeitsaufenthalt Österreichisches Kulturforum Rom
2008
Stipendium Land Oberösterreich Krumau Internationales Egon-Schiele-Zentrum
2007
Einladung zu Arbeitsaufenthalt Österreichisches Kulturforum Rom
2006
Stipendium Land Oberösterreich Paliano
2006
„7 Fototableaus“, "Oberösterreichische Künstler", Dauerausstellung im Landeskulturzentrum U-Hof Linz
2004
Kunst-Werk-Raum-Preis Mesnerhaus Mieming mit Ankauf Land Tirol
1997
Kreuzweg Severinkapelle Heeresunteroffiziersakadademie Enns



Arbeiten im öffentlichen Besitz

Stadt Salzburg, Land Oberösterreich, Stadt Steyr, Stadt Puchheim, Schloss Zell, Bundesministerium für Landesverteidigung, Bundesministerium für Justiz, Land Tirol, Pfarre Christkindl, Diözese Linz.

Publikationen

Robert Moser: Welch ein Mensch. Ein Kreuzweg. (Mit einem Text von Rupert Federsel). Ennsthaler-Verlag. Steyr 1995.
Robert Moser: Katalog. 4 Hefte in Schuber (mit einem Text von Anneliese M. Geyer), Steyr 2004.
Robert Moser: Die Totenmaske von Bruckner. In: Renate Grasberger: Bruckner-Ikonographie. Teil 3: 1947 bis 2006, Wien 2007, Abb. S. 126 - S. 127.
Robert Moser: Das Christkindler Fastentuch. In: Martina Gelsinger, Alexander Jöchl, Hubert Nitsch (Hg.) Kunstreferat und Diözesankonservatorat der Diözese Linz: Kunst und Kirche auf Augenhöhe. Künstlerische Gestaltungen in der Diözese Linz 2000-2010. Linz 2010.
Robert Moser. Rauminstallation, Malerei, Zeichnung. 98 Seiten. Künstlerbuch in limitierter Auflage. Textbeiträge: Wilhelm Pfeistlinger, Ruedi Arnold, Anneliese M. Geyer, Vanessa Hirsch. Steyr 2011.


Robert Moser 2010 bei der kunst-altonale12 in Hamburg





Einzelausstellungen

2017
Dominikanersaal im Dominikanerhaus Steyr
2016 "Zum Himmel erhoben", At-Home-Gallery Samorin (Slovakei)
  "Kabinettstücke - Malerei und Zeichnung", Kunstcafe Jindrak Linz
2015 "Raum. Deformation und Konstruktion", Galerie der BV im Oö. Kulturquartier Linz
 
"eisenleicht bewegt ", Berchtoldvilla Salzburg (gemeinsam mit Wolfgang Richter)
2013


"20 Meter Orange-Rot getragen". Installation für den Balkon des Ursulinenhofes im Oö. Kulturquartier Linz. Ein Projekt der KUNSTSAMMLUNG des Landes Oberösterreich. Realisiert als Artist in Residence im Salzamt Linz.
 
"Veni Creator Spiritus, Mentes Tuorum Visita". Raumintervention für Pfingsten in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Christkindl
2012

"DOMUS", ein Projekt für drei Räume in Linz: Rudigierhalle im Turm des Linzer Mariendoms, Diözesanfinanzkammer und Linzer Priesterseminar
  Blau-Gelbe Galerie Weistrach
2011 "HOTEL - KÖRPER", eine Interaktive Installation. Gesundheitshotel Gugerbauer Schärding
  Kunstverein Steyr "Raum. Deformation und Konstruktion" (gemeinsam mit Josef Wimmer)
2010



"RAUM - SCHIFF". Eine Installation für vier Räume in Hamburg-Altona: Altonaer Museum, Alfred Schnittke Musikakademie, EKZ Mercado, Kulturzentrum Hafenbahnhof (ehem. Seefahrtschule Hamburg).
kunst-altonale 12 Hamburg. Einladung durch österreichisches Kulturforum Berlin als Vertreter Österreichs und durch kunst-altonale Hamburg als Artist in Residence.
  Alfred-Schnittke-Akademie Hamburg, "Die Totenmaske von Bruckner"
  Fastentuch, Pfarrkirche Christkindl (mit Kunstreferat der Diözese Linz)
  "et homo factus est", KH St. Josef Braunau. Kunstprojekt "Robert Moser - zeitgenössische Kunst im Krankenhaus" Teil2
2009 Landesbildungszentrum Schloss Zell an der Pram
  Atelier-Galerie K2 Sierning
  Sommervilla Schloss Vogelsang, Steyr
2008 Österreichisches Kulturforum Rom, "Palla-Palone"
  Stadtturmgalerie, Schwanenstadt
  "präsent", Kreißsaal , LKH Steyr. Kunstprojekt "Robert Moser - zeitgenössische Kunst im Krankenhaus" Teil1
2007 Österreichisches Kulturforum Rom, "tre oggeti - tre scale"
2006 Schloss Lamberg, Galerie der Stadt Steyr
  Galerie Schloss Puchheim
  Zerinthia (Installation für 24 Stunden), "bei Michelangelo Pistoletto"
  Azienda Agricola Colonna, Cervinara (mit Museo Olevano Romano)
  Pfarrkirche Christkindl (mit Kunstreferat der Diözese Linz)
2005 Dominikanerhaus, Steyr
  Museum Lauriacum, Enns
2004 Galerie Club der Begegnung, Landeskulturzentrum U-Hof Linz
  St. Florian Stiftsbasilika, Vorhalle zur Krypta, "Die Totenmake von Bruckner"
  Kunst-Werk-Raum Mesnerhaus, Mieming
  Landesgericht für ZRS, Wien
  Pfarrkirche Kleinraming (mit Kunstreferat der Diözese Linz)
2003 Sommervilla Schloss Vogelsang, Steyr
2002 TMC-Galerie, Brunn am Gebirge
2001 St. Ruprecht, Wien
  Fachhochschule Steyr gemeinsam mit galerei Pohlhammer
  Galerie Pohlhammer, Steyr
  Zülow-Gruppe, U-Hof Linz
  Raum+, Wien
2000 Galerie Pimmingstorfer, Peuerbach
1997 Heeresunteroffiziersakademie, Enns
1995 Pfarrkirche Münichholz
1994 Galerie der Stadt Salzburg im Mirabellgarten
1991 Galerie Pohlhammer, Steyr
1989 KHG, Salzburg (mit Hochschule Mozarteum)


Ausstellungsbeteiligungen

2017
Oberösterreichsichen Landesgalerie: Linzer Kunstsalon.
  "Der bestechende Zufall - Spiel oder Absicht ", Galerie der Vereinigung Kunstschaffender im OÖ Kulturquartier Linz. Eine Kooperation mit der Kunstsammlung des Landes OÖ.

2016

 

 

"WERKKRAFT" im Rahmen der Salzkammergut-Festwochen Gmunden 2016
Werkkraft. Bildhauerische Positionen aus der Vereinigung Kunstschaffender Oberösterreichs. Künstlerinnen und Künstler: Alois Bauer, Gerhard Doppelhammer, Wolfgang Kirchmayr, Peter Kuba, Alois Lindenbauer, Christoph Luckeneder, Markus Miksch, Robert Moser, Robert Oltay, Marlene Schröder. Beteiligung und im Kuratorenteam

2015


Vereinigung Kunstschaffende Oberösterreichs "Was aus meiner Sammlung wurde. Die Kunstschaffenden begegnen Alfred Kubin." Galerie der Kunstschaffenden im Oö. Kulturquartier Linz. In Kooperation mit dem OÖ Landesgalerie.
  "imagina steyr ". Aus der Sammlung der Stadt Steyr (Beteiligung), Kunstverein Steyr und Schlossgalerie.
  "25 Jahre HLW Steyr Kultur und Kongressmanagement", Steyr

2014


"Impuls Fanny Newald. Werk und Person gesehen von Künstlerinnen und Künstlern der BVOÖ", Galerie der BV im Oö. Kulturquartier Linz. In Kooperation mit dem Linzer Stadtmuseum Nordico. Kurator der Ausstellung und Beteiligung
"Muse-um Muse", Gast bei der Innvierler Künstlergilde in der Schlossgalerie Schärding
  "Konzentration, als Gast von Norbert Trawöger in der Galerie Forum Wels
2013

"Urlaub auf Balkonien ... und anderswo", Die KUNSTAMMLUNG des Landes Oberösterreich im Oö. Kulturquartier Linz
  Kunstverein Steyr
  "Sommerfrische", Galerie der Berufsvereinigung bildender Künstler Oberösterreich, Ursulinenhof Linz
  "davor und dahinter", Schloss Ulmerfeld
  "Die Neuen" Galerie der Berufsvereinigung bildender Künstler Oberösterreich, Ursulinenhof Linz
2010 Kunstverein Steyr, "Querschauen"
  DOK, St. Pölten, Parz-Kontakte 2009/10
  "drinnen und draußen", Justizanstalt Garten und Marktgemeinde Garsten
2009 Parz Kontakte 2009, Galerie Schloss Parz. Kunstzentrum OG
  Dominikanerhaus Steyr
  Galerie Club der Begegnung, U-Hof Linz
  Forum Austriaco di Cultura a Roma, "Ragazzi nel Pallone"
  Forum Austriaco di Cultura a Roma, "70 Jahre Österreichisches Kulturforum Rom"
2008 "Linz-Art", Wirtschaftsförderungsinstitut Linz
  "UN(b)TITELT, Mauthausen, KZ-Gedenkstätte
2007 Galerie Steyrdorf
2006 Domus Artium, Paliano
2005 Kunstverein Salzburg, Jahresausstellung
2003 Oberösterreichische Landesbibliothek, Linz
  Museumsgalerie Tarrenz
  4. Internationales Bildhauersymposion Salvesen
  IG bildende Kunst, Wien
2001 IG bildende Kunst, Wien
  Wanderausstellung „Die Treppe“, Burgenland
2000 Kunstverein Salzburg, Jahresausstellung
  Kunstverein Steyr, Jahresausstellung
  Galerie Pohlhammer, Steyr
1999 Projekt „in cubo“, Florenz
1997 Projekt „trivium“,Stadtpfarrkirche Steyr
1996 Oberösterreichische Landesausstellung „Vom Ruf zum Nachruf“, St. Florian/Linz
1995 Salzburger Künstlerhaus, „Der Sprache mächtig“
  Projekt „two modes of recycled propaganda images“, Münichholz (KZ-Gedenkausstellung)
1993 Kunstverein Salzburg, Jahresausstellung
1992 Kunstverein Salzburg, Jahresausstellung
1991 Salzburger Künstlerhaus, „Im und nach dem Mozarteum“
  Galerie 5020, Salzburg
1990 Kunstverein Salzburg, Jahresausstellung
  Auswahlausstellung zum Preis der Salzburger Wirtschaft
1989 Gipssymposion Riedersbach
1987 Salzburger Künstlerhaus, „Schrift“
1986 Landartprojekt, Südfrankreich


 

Texte zur Arbeit

>> WILHELM PFEISTLINGER: Robert Moser "Zum Himmel erhoben". Samorin 2016. Rede zur Eröffnung
>> VANESSA HIRSCH: Über Robert Mosers "RAUM SCHIFF. Raumstation Altona" (2010). (Katalogtext)
>> ANNELIESE M. GEYER: "Palla - pallone". Zur Ausstellung im österreichischen Kulturforum Rom. Rom 2008
>> RAIMUND LOCICNIK: Robert Moser - Ein Wanderer zwischen den Welten. Steinbach an der Steyr 2009
>> WILHELM PFEISTLINGER: Ausstellungstext Österreichisches Kulturforum Rom 2007
>> RAIMUND LOCICNIK: Praesentia. Steinbach an der Steyr 2006
>> RAIMUND LOCICNIC: Raumstrukturen. Steinbach an der Steyr 2006
>> RUEDI ARNOLD: Körper; Hülle, Raum. Salzburg 2006 (Katalogtext)
>>

ANNELIESE M. GEYER: Deformation und Konstruktion. Zum künsterischen Werk Robert Mosers. Linz 2004 (Katalogtext)
>> MARTIN HOCHLEITNER: Eröffnung Galerie Pimmingstorfer 2000
>> GOTTFRIED GOIGINGER: Raum auf Probe - Anmerkungen zu den Arbeiten von Robert Moser. Salzburg
2000 (Katalogtext)
>> RUEDI ARNOLD: Ausstellungstext Galerie der Stadt Salzburg 1994
Über die eigene Arbeit

Wilhelm Pfeistlinger: Robert Moser "Zum Himmel erhoben" (Eröffnungsrede Samorin 2016)

Robert Moser. Zum Himmel erhoben. Vernissage, 23.6.2016

An Orten wie diesen ist man geneigt, in eine Art erbaulichen Predigttons zu fallen; dabei wollte ich bloß eine leise Erinnerung an die wichtigen Dinge versuchen, deretwegen es sich lohnt zu leben,- dennoch, der Ort schreit förmlich danach, dass diese Dinge laut und klar ausgesprochen werden, betreffen sie doch ihn selbst: Was wäre dieser Raum ohne die wunderbare Widmung, die Suzanne und Csaba Kiss ihm seit über 25 Jahren angedeihen lassen? Was wäre dieser Raum ohne das „Nein", das seinem Missbrauch und Verfall letztlich durch die Kunst abgetrotzt wurde und auf diese Weise einem einzigen großen „JA!" Platz gemacht hatte?
Platz etwa für Schöpfungen wie jene des oberösterreichischen Künstlers Robert Moser, dessen Installation einmal mehr das „Ja" des Raumes in das „Ja" seiner Kunst aufnimmt und uns allen ein weiteres, doppelt bestätigtes „Ja" weiterschenkt. Oktogonale Strukturen symbolisieren im Verlauf der Kunst- und Kulturgeschichte immer wieder Zentralität gleichwie Zentrifugalkraft, Angelangtsein gleichwie Ekstase, Ruhe gleichwie Beweglichkeit; jene Vollkommenheit, welche die vollständige Verbindung der Rundung des Kreises mit der voranschreitenden Zielstrebigkeit der Linie aufweist. Die Form des Oktogons wurde natürlich sehr bewusst von Robert Moser für das Werk gewählt, das wir hier heute in Samorin sehen; vor allem dann, wenn wir nicht bloß sehen, nicht einmal nur schauen, sondern das Zusammenspiel der künstlerischen Materie mit der nichtkonfessionellen Sakralität des Innen-Raumes und dem Wind wie der Sonne der Außenwelt auf unsere oftmals betriebsamkeitsentheiligten, schönheitsscheuen, selbstentfremdeten Seelen wirken lassen, uns durch-leuchten lassen von den Lichtern und durch-weben lassen von den Schatten einer Installation, die von heute an für fast einen Monat diesen Raum erfüllen wird; einer Installation, welcher der Künstler den Titel „Zum Himmel erhoben" verliehen hat.
Es gibt im Wienerischen Dialekt meiner Muttersprache Deutsch einen Ausdruck, dessen phonetisch wahrnehmbare Hässlichkeit bereits sehr gut das versinnbildlicht, was er bedeutet. Er lautet: „Owezahn". Dieses „owezahn" ist in all den Facetten seiner Anwendbarkeit kaum zu übersetzen. Im Grunde bezeichnet es das Erleiden von etwas Unvermeidlich-Negativem, das Zustoßen einer Kalamität, die einschnürt, niederdrückt, herunterzieht, liegen macht und, - für die sprichwörtliche Morbidität des Österreichers, speziell des Wieners unerlässlich - auch liegen lässt.
Dieser Begriff ist allerdings nur eine negative Chimäre, denn niemand muss liegen bleiben, selbst der Wiener und der Österreicher müssen es nicht. Die herabziehenden Stränge im Menschen, so stark sie auch sein mögen, prallen immer - ausnahmslos -auf Kräfte seiner Freiheit und der Wiedererstarkung, so fragil diese wiederum sein mögen. Wenn wir es auch nicht schaffen sollten, aufzustehen, so bleibt uns immer noch die Hoffnung auf unsere Kraft oder auf Hilfe; und wem selbst diese Hoffnung versagt ist, dem verbleibt als allerletzter Anker die Liebe zur Hoffnung. „Wo Gefahr ist, wächst aber das Rettende auch". Der berühmte Anfang der Hymne „Patmos" von Friedrich Hölderlin scheint mir wie eine Art Überlebensgleichung, eine Überlebensgleichung gerade der vielleicht am meisten Gefährdeten: der Künstler. Jedem schöpferisch, d.h. künstlerisch oder sonst wie gestalterisch Tätigen, jedem, dem die Kunst, die Inspiration, das Schaffen wichtig sind, bleiben das Hamsterrad des Lebens, die beharrliche Einfallslosigkeit, die Anstrengung des Handwerks nicht erspart.
Wie die Kunstgeschichte im allgemeinen und die Geschichte wohl eines jeden wirklichen Künstlers im besonderen zeigt, ist dieses proportionale Verhältnis von Gefährdung zu Errettung nicht bloß korrekt, sondern scheinbar unendlich erweiterbar. Vielleicht könnte man sogar die Formel aufstellen: „Je mehr kaputt, je mehr down, je mehr „owezaht" ich bin, desto größer gelingt das Entstehen von Kunst, wenn es nur gelingt." Dieses „Wenn es nur gelingt", der Wandel des Konjunktivs zum Indikativ, kann jedoch nie garantiert werden, wir haben gewissermaßen immer ein Spiel zwischen Leben und Tod zu gewärtigen; Selbstaussetzung und Selbstpreisgabe in der Non-Garantie der einzigen Garantie also: der Hoffnung oder, was mehr und weniger zugleich ist als reine Hoffnung, in der Liebe zur Hoffnung. Was wäre die Kunst ohne Hoffnung? Was wären die Menschen, ihre Geschichten und die Geschichte, was wäre unser Leben ohne Hoffnung?
Mit der vor unseren Augen liegenden Installation, hat Robert Moser das, wie ich meine, größte Wagnis der Aussetzung selbst dieser letzten Hoffnung unternommen. Das uns präsentierte Oktogon ist für sich genommen nicht geerdet, hängt nicht in, sondern aus der Luft. Weit davon entfernt, sich den Gesetzen der Schwerkraft zu beugen, kommt es jedoch, wie jedes Menschenwerk, auch nicht darum umhin, dieses Gesetz zu erfüllen. Welche seltsam unvollkommene Vollkommenheit, die noch der Erdung harrt, nach dem Boden verlangt, die Landnahme erhofft! Wo soll diese Vermischung stattfinden. Die Nahtstelle, die Verbindungsschnur zwischen Himmel und Erde ist der Mensch, sind wir. Das Oktogon des Robert Moser wird über den Weg des Himmels zu unserem. Seine Vollendung liegt in unserem Geist, unserem Herzen, unserer Seele, unserem Auge, unserer Hand, ja, in unserem Fuß: in und an uns, die wir uns in den „Himmel erheben" lassen als die, die zugleich auf der. Erde stehen; stehen, weil sie stehen wollen und daher fest stehen und stehen bleiben wollen. Entrückt erdend, geerdet entrückend, aufrecht verloren.
Im Zuge der Auslandskulturarbeit der Republik Österreich habe ich mehrfach mit Robert Moser zusammenarbeiten dürfen, d.h. ich ließ ihn gewissermaßen arbeiten. In Rom, Berlin, Hamburg vor allem. Einmal mehr und zugleich immer mehr offenbart er auch in der vorgestellten Arbeit hier in der Slowakei sich selbst in - ich übertreibe nicht, wirklich nicht -, feinem großen Künstlertum und seiner unvergleichlichen Menschlichkeit. Selten, ja niemals zuvor kamen beide aber so völlig unverkrampft, selbstverständlich und klar zum Ausdruck; wo bisher stets ein Anflug von Schwere, ein Deut Anstrengung zu spüren war, fühle ich heute nur Lauterkeit und Erhebung.
Dass niemand mehr nach dem Preis dieser Qualität, nach den Wehen der Geburt des Werkes, nach der Hoffnung, mit der sie bewältigt wurde, fragt, mag in der Undankbarkeit von uns „Owezahten" liegen. Auch nach den Namen der Baumeister der mittelalterlichen Kathedralen fragt man nicht mehr. Im Grunde hat man nie wirklich nach ihnen gefragt. Sie mögen ihren Lohn bereits im Himmel genießen, wovon ich nichts zu sagen weiß noch wage. Dieser Umstand ändert aber nichts, rein gar nichts an unserer Schuldigkeit, sie und wie sie alle großen Künstler aller Zeiten hochzuschätzen, in unseren Herzen zu tragen und mit aller Kraft unserer Hände zu pflegen, zu umsorgen, zu fördern, zu lieben und zu erden.
In diesem Sinne: Lieber Robert Moser, die Welt, d.h. Österreich und von heute an etwa einen Monat lang auch die Slowakei und Ungarn können sich froh und glücklich wähnen, kreative Menschen wie Sie bei sich zu wissen. Und, liebe Suzanne, liebe Csaba Kiss: Die Slowakei, Ungarn und Österreich und die Welt können sich froh und glücklich wähnen, dass Sie da sind; zu pflegen, zu umsorgen, zu fördern, zu lieben und zu erden - Kunst und Künstler wie Robert Moser heute. Danke Ihnen allen. Danke!

 

Vanessa Hirsch: Über Robert Mosers „RAUM - SCHIFF. Raumstation Altona“ (2010)

Robert Mosers vierteilige Installation „RAUM - SCHIFF“. Raumstation Altona“ ist als Beitrag zur Kunst-Altonale konzipiert und realisiert worden. Als erster Artist in Residence des mehrtägigen Stadtteil-Kulturfestes war Moser zur künstlerischen Verarbeitung jener Eindrücke aufgerufen, die er als Vertreter des Altonale-Gastlandes Österreich von dem traditionsreichen Hamburger Stadtteil Altona sammeln konnte. Mit „RAUM-SCHIFF“ verknüpfte der Künstler vom 4. Juni bis zum 20. Juni 2010 vier Orte, die für Altona besonders typisch sind: das Altonaer Museum, die Alfred Schnittke Akademie, das Einkaufszentrum Mercado und die Sommerterrasse der ehemaligen Seefahrtschule am Elbufer.

Das Einkaufszentrum Mercado wurde zum Ausstellungsort für die Skulptur „4 x Orange-Rot hängend“ und zum öffentlichen Bildhaueratelier. Bereits in seinem Steyrer Atelier hatte der Künstler 360 Quadratmeter Gartenflies mit Pigmenten monochrom bemalt und zu vier kubischen Objekten zusammengefügt, die an riesige Behälter erinnerten. Vom Ennshafen aus wurde „4 x Orange-Rot hängend“ in einem 20-Fuß-Container nach Altona transportiert, wo die über 9 Meter langen Objekte von Industrieklettereren an der Decke des Einkaufszentrums befestigt wurden. Der Transportcontainer stand während der gesamten Laufzeit der Ausstellung vor dem Einkaufszentrum in der belebten Fußgängerzone – ein Verweis auf Hamburgs Ruf als Tor zur Welt und auf die Gepflogenheiten des Einzelhandels. Hamburg besitzt einen bedeutenden Containerhafen und nahezu alles, was käuflich zu erwerben ist, wird dieser Tage per Container um die ganze Welt verschifft. Der Großteil der Waren, die im Einkaufszentrum erworben werden können, dürfte auf dem Seeweg und per Container transportiert worden sein.

Der zweite Teil von „RAUM - SCHIFF“. Raumstation Altona“ war in der Alfred Schnittke Akademie zu sehen. Die Akademie widmet sich der Ausbildung junger Musiker in Gesang, Klavier, Streich- und Blasinstrumenten und Schlagzeug. Der Namensgeber Alfred Schnittke wurde 1934 in der Sowjetunion geboren, siedelte 1990 nach Hamburg über und ist 1998 dort gestorben. Er arbeitete ab 1973 als Komponist. Gestische und theatralische Elemente kennzeichneten seine Arbeit, die von der Suche nach einer zeitgemäßen sinfonischen Form für das 20. Jahrhunderts geprägt war. Robert Moser erwarb per Internet fünf Schaufensterpuppen, deren Posen ihn an antike Statuen erinnerten, um sie in seinem Atelier mit gezielt unkünstlerischen Materialien wie Fliesenkleber zu traktieren und mit Bronzefarbe zu bemalen. An ihrem Standort im Garten der Schnittke-Akademie sollten sie das Publikum beim Blick aus den Fenstern des Konzertsaals mit der Frage konfrontieren, welches Rollenverständnis über die von den Figuren evozierten Frauenbilder transportiert wird. Ergänzend zeigte Moser im Foyer der Akademie einen Zyklus von Zeichnungen zu Anton Bruckners Totenmaske sowie sein zweistündiges Video „Haut“, das um das Thema des Körpers als Hülle kreist und die zeichnerische Auseinandersetzung mit dem Topos der Totenmaske ergänzt. Mit dem Totenmasken-Zyklus nimmt Moser Bezug auf den Umstand, dass die Liturgie in Bruckners Grablege, der Stiftskirche von St. Florian, Alfred Schnittke als Anregung für seine zweite Sinfonie diente. Auch Mosers Zeichnungen wurden von der Stiftskirche in St. Florian inspiriert und dort 2004 auch ausgestellt. Folglich dient der Verweis auf Anton Bruckner als Bindeglied zwischen Robert Moser und Alfred Schnittke.

Als dritten Teil seiner Installation zeigte Robert Moser auf der Sommerterrasse der ehemaligen Seefahrtsschule mehrere Fototableaus zu den Themen Transport und Logistik sowie Farbobjekte aus Karton, die das Motiv des Transportbehälters erneut aufnahmen. Angesichts dessen, dass die Sommerterrasse einen beeindruckenden Blick auf den Hamburger Hafen am gegenüberliegenden Elbufers gewährt, ein sehr passendes Thema. Auch eine Prise Fernweh schwingt mit, denn schließlich ist die Seefahrtsschule selbst ein Ort, an dem Generationen von Seeleuten ausgebildet wurden.

Den vierten Teil seiner Installation „RAUM-SCHIFF. Raumstation Altona“ zeigte Robert Moser im Anker-Hof des Altonaer Museums. Aus Transportkartons, die ihm von Geschäftsleuten des Einkaufszentrums Mercado zur Verfügung gestellt wurden, formte er skulpturale Objekte und bemalte sie mit bronzener Farbe. Ganz so dauerhaft, wie ihre an Metall gemahnende Farbe vorgab, waren diese Skulpturen jedoch nicht. Den Einflüssen von Wind und Wetter ausgesetzt, sollte ihr Zerfall auch das Ende der Ausstellung markieren. Konkret war dies der Fall im März 2011, als das Museum die zusammengefallenen und durchweichten Kartons per Bauschuttcontainer entsorgte. Somit lenkt Moser den Blick auf den finalen Schritt auf dem Weg des Handelsguts über Hafen und Einkaufszentrum, denn schließlich werden die meisten Konsumgüter von ihren Besitzern irgendwann weggeworfen und enden auf der Mülldeponie oder in der Müllverbrennungsanlage. Allerdings schafft Moser damit auch einen Verweis auf die Gepflogenheiten des Kunstbetriebes, indem er den Ewigkeitsanspruch musealer Objekte gezielt unterläuft: Mosers Objekte sind dazu gemacht, sich aufzulösen. Der Verweis auf internationale Kunstströmungen der 1960er und 1970er Jahre liegt auf der Hand. Zu nennen wären Künstler der Land Art und der Minimal Art, die ganz ähnliche Zielsetzungen verfolgten. Stellvertretend sei auf den 1973 verstorbenen amerikanischen Künstler Robert Smithson verwiesen, der als einer der Begründer der Land Art gilt. Smithsons Arbeiten zeichnen sich durch ein System von Veränderungen in der Natur aus, die zusammengenommen ein Verweissystem darstellen, das sich wiederum in einem Ausstellungsraum abbilden lässt. Prägendes Thema seines Werkes war die Beziehung zwischen Kunstwerk und Umfeld, was er als „Site“ und „Nonsite“ beschrieb. „Sites“ nennt er Arbeiten, die für einen ganz bestimmten Ort hergestellt worden sind, während „Nonsites“ an jedem beliebigen Ort, zum Beispiel in einer Galerie oder einem Museum ihren Platz finden können. In Mosers Fall verweisen die Orte, die „Sites“, an denen er seine Installationen aufstellt, jeweils auf einen inhaltlichen Bezugsrahmen, der weit über das Gezeigte hinausgeht. Was Moser und Smithson zudem verbindet, ist ein positives Verhältnis zur Entropie, wonach menschliche Eingriffe in ein bestehendes System immer revidiert werden, sobald das System wieder sich selbst überlassen bleibt – menschliche Ordnung wird somit zu „natürlicher“ Unordnung, Geformtes ist dem Zerfall preisgegeben. Als zusätzlichen Bezugspunkt für seine dem Zerfall preisgegebene Installation verweist Moser auf ein Gemälde aus der Hamburger Kunsthalle: Caspar David Friedrichs „Die gescheiterte Hoffnung“, bekannter unter dem Titel „Das Eismeer“ (1823/24). In besagtem Gemälde sind Holzteile und Eisschollen, die an Steinplatten gemahnen, wie in einem großen Strudel der Zerstörung über das Bild verteilt, wogegen die Konsequenzen der Naturgewalten angesichts der Installation Robert Mosers Arbeit deutlich weniger kraftvoll ausfallen dürften. Festzuhalten bleibt, dass Moser bewusst in einem kunstimmanenten Bezugssystem operiert und dafür im Museum einen geeigneten Ort findet.

Was alle vier Installationen verbindet, ist ihr enger Bezug zu ihrem Aufstellungsort. Dabei thematisiert Robert Moser die Frage des Raumes auf vier Ebenen: Erstens behandelt er den geografischen Raum hinsichtlich der Überwindung von Distanzen und zweitens den Bildraum, denn schließlich umfassen seine Installationen volumetrische Formen. Drittens befasst sich er sich mit dem menschlichen Körper als räumliches Gebilde, etwa bei dem Totenmasken-Zyklus. Viertens geht es um den Stadtraum und die Funktion eines Katalysators für das Altonale-Kulturfestival.

Nicht nur, dass im Rahmen des Festivals dank Robert Mosers „RAUM-SCHIFF. Raumstation Altona“ ein neuen Blick auf altbekannte Orte möglich war. Es wurde deutlich, dass Altona traditionell ein Ort ist, der von verschiedenen Formen des Transits geprägt wurde und wird. Man erinnerte sich an die große Geschichte der bis 1937 selbständigen Stadt Altona als bedeutender Produktions- und Handelsort, aber auch als Ort des Austauschs von Ideen und als Ort, der Fremdes und Fremde mit Toleranz und Neugier empfing. Schließlich hat sich Altona zu allen Zeiten als „offene Stadt“ verstanden: Seit der Verleihung der Stadtrechte 1664 durch den dänischen König Friedrich III. fanden politisch oder religiös Verfolgte in Altona ebenso Aufnahme wie Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen anderswo nicht geduldet wurden. Holländische Reformierte, Hugenotten, Mennoniten, Juden, vor der französischen Revolution geflohene Adlige, unzünftige Handwerker, oder von den napoleonischen Besatzern vertriebene mittellose Bewohner Hamburgs im Winter 1813/14. Sie alle genossen die geistigen und ökonomischen Freiheiten, die „Hamburgs schöne Schwester“ ihnen bot und trugen ihrerseits zur Entwicklung Altonas bei. In dieser stolzen Tradition steht die Altonale, indem das Kulturfestival ebendiesen Aspekt des anregenden Miteinanders und des internationalen Austauschs mit wechselnden Gastländern aufgreift und daraus ein Ereignis macht, von dem der Stadtteil immer wieder ein Jahr zehren kann.

Vanessa Hirsch, März 2011

Dr. Vanessa Hirsch ist wissenschftliche Mitabeiterin des Altonaer Museums für Kunst und Kulturgeschichte Hamburg

Hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Schnittke vom 01.03.2011.

Hierzu: Gary Shapiro: Earthwards. Robert Smithson and Art after Babel , Berkeley /Los Angeles/London1997, bes. S. 34-43, 59-74.

Hierzu: 400 Jahre Mennoniten in Altona und Hamburg, AK Altonaer Museum, hg. v. Hajo Brandenburg und Matthias H. Rauert, Hamburg 2001; Hajo Brandenburg: Hamburg-Altona, Erfurt 2003; Kopitzsch, Franklin: Grundzüge einer Sozialgeschichte der Aufklärung in Hamburg und Altona, 2. Aufl., Hamburg 1990 (Beiträge zur Geschichte Hamburgs).

Robert Moser "Raum-Schiff", Altonaer Museum, 2010 kunst-altonale12 in Hamburg

 

 

Anneliese M. Geyer: "Palla - Pallone" - zur Ausstellung im österreichischen Kulturforum Rom 2008

Robert Moser ist für kunstinteressierte Besucher des Österreichischen Kulturforums keine unbekannte Größe. Bereits 2007 zeigte er im Rahmen seines Atelieraufenthalts im nahen Paliano "Arbeiten im Raum". "Tre oggetti - tre scale" lautete damals der Titel seiner Interventionen. Rot, massiv und raumgreifend dominierten die dem Künstler eigenen Objekte aus Karton und Schnüren die Rasenflächen des Gartens und präsentierten damit eine von drei Werkgruppen im langjährigen Schaffen des oberösterreichischen Künstlers, der an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Mozarteum in Salzburg bei Professor Ruedi Arnold studierte und heute bereits auf zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen verweisen kann.

Einerseits beschäftigt er sich mit der Skulptur, andererseits mit Malerei auf Papier und Leinwand und weiters mit Fotografie bzw. collagenartig komponierten Fotoserien, die auf den ersten Blick wenig Verbindendes auf zuweisen scheinen. Bei näherer Auseinandersetzung erschließt sich jedoch eine nachhaltige Entwicklungslinie, die sich unter dem bereits eingangs zitierten Titel "Arbeiten im Raum" zusammenfassen lässt.

Robert Moser arbeitet mit dem Raum, mit der Idee des Raumes, den er in seine Objektkonzeption grundlegend und immanent mit einbezieht. Während er auf seine Bilder exzessiv mit Farbauftrag und -reduktion einwirkt und so Volumina schafft, die in ihrer Tiefe und Radikalität weit über eine Zweidimensionalität hinausgehen, oder in seinen Fototableaus durch - künstlerisch für ihn typische - Montagen die Möglichkeiten räumlicher Zusammenhänge auslotet, exponiert er seine - wenn auch stabilen, so doch vergänglichen - Kartonnagen in der freien Natur ohne Rücksicht auf deren Haltbarkeit und positioniert sie zueinander in einem ideellen, größeren Zusammenhang.

Dieses Konzept verfolgt Robert Moser nun auch bei der vorliegenden Ausstellung "Kugel - Ball": 20 unterschiedlich große, rote, kugelförmige Objekte, die er diesmal aufgrund der besseren Verformbarkeit mit Betonkleber und Draht statt mit Karton hier vor Ort geschaffen hat, liegen - wie zufällig hingeworfen und liegen gelassen - vor und hinter dem Kulturforum auf dem Weg, in der Wiese, sind in den Bäumen hängen geblieben oder auf des Nachbars Grundstück gefallen: Kinderspiele sind es, an die uns der Künstler mit dieser Intervention denken lässt, und die Erinnerung an endlose Sommer, an denen wir uns austoben konnten. Doch Robert Moser schafft mit dieser Intervention noch eine weitere Ebene und eine dritte, die uns wieder zum Ausgangspunkt zurückführt: Die Objekte im Raum vermitteln uns in ihrer gezielten künstlerisch-ästhetischen Positionierung den Eindruck von Ruhe und Kontemplation, von einem Zen-Garten. Und er schafft wiederum einen Raum im Raum - Kunst, die mit der Natur arbeitet und sie zum Teil des Kunstwerks werden lässt.

Nicht umsonst erinnert Robert Moser - wenn er in Italien ausstellt - an den großen italienischen Künstler Lucio Fontana mit seiner skulpturalen Arbeit "Natur". Ihm erweist er mit "Kugel - Ball" Reverenz. Es sind leise, aber tiefe Arbeiten, deren ganze Wirkung auf den kontemplativen Vorgang des Betrachtens abzielt. Und der Robert Moser selbst? Eine ebenso ruhige, leise Persönlichkeit. Er tritt hinter seine Arbeit zurück, wird gleichsam Teil des Ganzen, und es ist fast unmöglich, eine solch immense Energie hinter ihm und einem derart umfassend strukturierten künstlerischen Werk zu vermuten. (Anneliese M. Geyer, Direktion Kultur Land Oberösterreich )

Mag. Anneliese M. Geyer, Oberösterreichische Landeskulturdirektion, ist Kunsthistorikerin

Robert Moser "Installation "Kugel - Ball", Rom 2008


 

 

Raimund Locicnik: Robert Moser: Ein Wanderer zwischen den Welten

Rotorange Bälle wohin das Auge reicht: in der Wiese, in den Astgabeln, über Treppen scheinbar rollend, auf gepflegten Plätzen, spielerisch verteilt. Robert Moser kokettiert mit der Fußball EM und transformiert ein mediales Großereignis in den „Garten der Künste“. So geschehen bei seinem letzten Studienaufenthalt in Rom, im Sommer 2008. Derzeit ruhen die riesigen Kugeln eingepackt in Schutzfolien auf einem Bauernhof bei Freunden. Doch selbst so eingewickelt und mit schwarzen Klebestreifen zusammengehalten, tragen sie die typische Handschrift des Steyrer Künstlers, der sie demnächst im Landebildungszentrum Zell an der Pram aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken wird.

Der in Steyr geborene und am Mozarteum in Salzburg ausgebildete Bildhauer, Maler und Zeichner ist kein Galeriestürmer. Seine Arbeiten sind manchmal recht düster, dann wieder schreiend grell und zuweilen überraschend unberechenbar. Es mag damit zusammenhängen, dass er hin und wieder mitten in der heiter-verspielten Leichtigkeit des Schaffens die schwere Last existentieller Abgründe spürt und sich ihnen nicht verweigert. Seine Kunst ist „ein“ Weg und der Weg das Ziel. Robert Moser „entwickelt“ sich und lässt das Publikum daran teilnehmen.

Bis 7. Juni zeigt die Galerie K2 am Kirchenplatz in Sierning großformatige Arbeiten mit figuralem Hintergrund und einen kalligraphisch, kürzelhaften Zyklus auf Papier. „Bei mir schwankt derzeit das Schaffen zwischen Monochromie und farbiger Figürlichkeit“, sagt Robert Moser und tatsächlich zeigen die seriell wirkenden Bilder einen Bogen von barockisierend leichter Duftigkeit bis zur dunkelsten Abgründigkeit des Seins. Von 5. Juni bis 10. Juli wird dem Steyrer Künstler eine große Schau in und um Schloss Zell an der Pram gewidmet sein.

Dr. Raimund Locicnik ist Kunsthistoriker und leitet das Archiv der Stadt Steyr

Robert Moser "Installation "tre oggetti - tre scale", Rom 2009


Tre oggetti - tre scale: Ausstellungstext von Wilhelm Pfeistlinger Österreichisches Kulturforum Rom 2007

Un intervento violento è proprio di tutti gli oggetti colorati di Robert Moser", così scrive la Dott.ssa Anneliese M. Geyer nel 2004 sul mio lavoro nel suo testo di catalogo. Questa indicazione è essenziale proprio per l’installazione che ho realizzato nell’aprile e maggio 2007 per il Forum Austriaco di Cultura a Roma, tanto pi ù ehe viene posta al cospetto dello spettatore non viene posta un’opera pronta e compiuta bensi qualcosa che a prima vista turba, scuote e disorienta per l’effetto distruttivo o perchè sembra del tutto casuale. Nei 20 giorni di esecuzione di questa impegnativa installazione c’erano sempre fasi nelle quali sembrava che si fosse giunti a stadi definitivi della costruzione dell’opera. Bisognava invece continuamente cominciare da capo. Alla fine è stato raggiunto nello svolgimento del lavoro quel determinato momento che mi ha indicato che il mio operato era stato concluso. Installazioni come queste seguono un processo e sono in continuo divenire. Di conseguenza la natura interviene. E ciò rende chiaro - come enuncia Anneliese M. Geyer "- che Robert Moser si occupa di materiale e forma in maniera archetipica nel senso di un Azionismo non pubblico". In altre parole: il mio lavoro cerca di essere una raffigurazione della realtà attraverso un confronto con materia, spazio e tempo. II mio lavoro non può essere mai terminato. Esso esige frammentarietà. (Robert MOSER, 03 maggio 2007)

Allen Farbobjekten von Robert Moser ist eine gewaltsame Intervention eigen", so schreibt Mag. Anneliese M. Geyer 2004 in Ihrem Katalogtext über meine Arbeit. Dieser Hinweis ist gerade für die Installation, welche ich im April und Mai 2007 für das österreichische Kulturforum hergestellt habe, sehr wesentlich, zumal nicht ein fertiges, vollendetes Werk dem Rezipienten vor Augen geführt wird, sondern etwas, das auf dem ersten Blick verstört, verunsichert, weil es zerstört wirkt oder gar zufällig anmutet. In den 20 Tagen der Herstellung dieser aufwendigen Installation gab es immer wieder Phasen scheinbarer fertiger Zustände des Werkes, immer wieder aber musste neu begonnen werden. Umwege sollten begangen werden. Dann aber wurde jener Moment in der Genese der Arbeit erreicht, der mir sagte, dass das eigene Tun zu Ende ist. Installationen wie diese sind prozesshaft. So ist es konsequent, dass die Natur eingreift. Und es macht deutlich, wie es Anneliese M. Geyer formuliert, „dass sich Robert Moser urtypisch mit Material und Form im Sinne eines nichtöffentlichen Aktionismus befasst “. Mit anderen Worten: Meine Arbeit versucht durch die Auseinandersetzung mit Materie, Raum und Zeit ein Abbild von Wirklichkeit zu sein. Meine Arbeit kann nie vollendet sein. Sie will das Fragment.

Robert Mosers Arbeit IST ein Abbild von Wirklichkeit. Denn die Wirklichkeit selbst ist nicht vollendet, sie IST Fragment. Alles ist Fragment. Die heutige Nacht, die Nacht vor Ausstellungser öffnung und zweite Mainacht, hat die Natur uns sich selbst offenbart. Regengüsse und orkanartige Stürme haben die zweiwöchige Arbeit eines hingebungsvollen Künstlers im wahrsten Sinne des Wortes zerdrückt und umgeworfen. Es gibt wohl kaum eine furchtbarere Prüfung für einen Künstler und für eine kulturelle Institution. "Colligite fragmenta ne pereant" - und wir könnten hinzufügen „ne pereamus “- unsere einzige Möglichkeit der Vervollkommnung. Denn alles ist Fragment. Das Fragment aber ist gleichzeitig Geschenk, wie uns dieselbe Nacht vor Augen führt. Eine der drei Objekte - Treppen steht noch. Versehrt, durchnässt, gedemütigt, aber stolzer als zuvor. Auf anderen Treppen können wir Menschen nicht aufsteigen, auf anderen Treppen steigen die Götter nicht herab. Alles ist Fragment, alles ist Geschenk. ( Wilhem Pfeistlinger, Mai 2007)

Infatti, II lavoro di Robert Moser è una raffigurazione della realta". Essa stessa non e compiuta, è frammento. Perchè tutto è frammento. Questa notte, la seconda notte di maggio e la notte precedente all’inaugurazione della mostra, la natura si è palesata a noi. Acquazzoni e violenti temporali hanno schiacciato e rovesciato, nel senso pi ù autentico della parola, il lavoro durato due settimane di un artista appassionato. Per un’artista e per un'istituzione culturale non si può quasi immaginare una prova più terribile di questa. "Colligite fragmenta ne pereant" e aggiungiamo "ne pereamus" - la nostra unica possibilita di compiutezza. Perche tutto e frammento. Ma il frammento è al contempo regalo come ci dimostra questa nottata. Uno dei tre oggetti - una delle tre scale, é rimasta integra. Danneggiata, inzuppata, mortificata ma s'innalza più fiera di prima. Noi uomini non riusciamo a salire su altre scale, da altre scale i Dei non scendono. Tutto é frammento, tutto é regalo. (Gli amici di Robert Moser al Forum Austriaco di Cultura a Roma, 03 maggio 2007 )

Mag. Wilhelm Pfeistlinger ist Vizedirektor des Österreichischen Kulturforum in Rom

Robert Moser "Installation "tre oggetti -tre scale", Rom 2007


 

 


Raimund Locicnik: „Praesentia"

Artikel in den OÖ Nachrichten über die Installation in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Christkindl, Dezember 2006

„Klein aber fein", in Abwandlung dieses Sprichwortes lässt sich Robert Mosers derzeitige Ausstellung in der Wallfahrtskirche Christkindl bei Steyr am Besten beschreiben. Der gelernte Bildhauer irritiert die unzähligen Besucher des Gotteshauses mit knapp Postkarten großen, monochrom­blauen Leinwandbildchen, die in der Höhe genau der Größe des wächsernen Christkindes entsprechen, das sich im Zentrum des Hochaltares befindet.

„Man kann einem dermaßen perfekten Raum weder etwas Wesentliches hinzufügen noch wegnehmen", sagt der sensible Künstler über diese, seine Rauminstallation. Tatsächlich animieren die kleinen Tafelbilder zum konzentrierten Betrachten und schärfen damit die Sinne auch für das übrige Interieur. Schade nur, dass die „Altarwächter" in der Kirche all jene verscheuchen, die die subtilen Arbeiten Mosers aus der Nähe betrachten möchten.

Dr. Raimund Locicnik ist Kunsthistoriker und leitet das Archiv der Stadt Steyr

Robert Moser "PRAESENTIA", Pfarr und Wallfahrtskirche Christkindl 2006


 

 

Raimund Locicnik::Raumstrukturen

Artikel in den OÖ Nachrichten über die Ausstellung in der Galerie der Stadt Steyr, Jänner 2006

Ein Raum des Frühbarock: Klarheit und Proportion bestimmen seinen Eindruck, Holz und Kalkweiß sein Ambiente. Der alte, ehemalige Speicher des Schlosses Lamberg in Steyr besitzt den Reiz der Selbstvollkommenheit. Jede Kunstaktion in ihm erfordert Konzentration, Feingefühl, Disziplin und Selbstbeschränkung. Beliebigkeit wird umgehend als Verlust geahndet. Robert Moser fühlt was möglich ist. Das Wechselspiel von Malerei und Plastik steigert er zu einem kaum mehr überbietbaren Spannungsfeld an Licht und Farbe, Bewegung und Statik, Fläche und Raum.

Die seltsam deformierten Objekte vermitteln in ihrer grellen, ungebrochenen Bemalung den Schmerz gewaltsamer Intervention, unumkehrbar vollendet durch fesselartige Korsagen an manchen Exponaten. Der Kontrapunkt: die reliefartigen Bilder an den Wänden. Durchwegs reinste Pigmentmalerei, sparsam komponiert und dennoch explosiv in ihrer Farbigkeit. Suprematistisch angelegt, mit einem Anflug von Konstruktivismus und einigen versteckten Aspekten der lyrischen Abstraktion.

Dr. Raimund Locicnik ist Kunsthistoriker und leitet das Archiv der Stadt Steyr

Robert Moser Ausstellung Schloss Lamberg, Galerie der Stadt Steyr 2006


 

Ruedi Arnold: Körper, Hülle, Raum

Robert Moser verwendet für seine plastischen Arbeiten Schachteln, die er deformiert und bemalt. Der monochrome Anstrich kann und will nicht ganz vergessen machen, dass der Werkstoff früher einmal ein quaderförmiger Ge-brauchsgegenstand aus Karton war. Die Bemalung weist darauf hin, dass die Schachteln unter Robert Mosers Händen Formen erhalten haben, die das, wovon sie reden, – jenes Bergen und Preisgeben, Blähen, Knicken, Dagegenhalten und Nachgeben – enthalten und vorführen.

Robert Moser ist derjenige, der die Gestalt der Schachteln zum Sprechen bringt. Er buchstabiert ihnen nicht Wort für Wort vor, worüber sie reden sollen. Aber er wählt von dem, was sie unter seinem Zugriff sagen, dasjenige aus, was er dem Betrachter weiter vermitteln will. Und er schreibt dem Betrachter nicht vor, wie er das Vermittelte zu verstehen hätte. „Weiß“, „blau“, „orange“ nennt er deshalb seine Objekte – Farbnamen als sprachliche Parallelen zum visuellen Appell: „Hallo, hier ist eine Nachricht, die wahrgenommen werden möchte!“

Vor Robert Mosers Arbeiten sehen wir uns (als Betrachter) bemalten Volumen gegenüber – werden wir mit Körpern konfrontiert. In einem engen Sinn bedeutet der Begriff Körper, Leib (der eigene–, menschliche– oder der von Tieren). Dass wir darüber hinaus aber alles, was sich im Raum ausdehnt und Masse besitzt, ebenfalls als Körper bezeich-nen, hängt – glaube ich – mit unserer Wahrnehmung von greifbaren Gegenständen zusammen: Bei der Wahrneh-mung von Massevolumen wird stets auch das eigene Körpergefühl des Betrachters angesprochen. Sobald er – betrachtend oder durch Benennung – Dinge aus ihrem Umfeld heraushebt, werden ihm diese Dinge zu einem Gegenüber, dessen Eigenschaften er in Relation zum eigenen Körper taxiert. Das kleine Kind empfindet die Hunde-hütte als groß, dem Erwachsenen erscheint das Gartenhaus mit der ähnlichen Gestalt klein. Von einem Stein lässt sich sagen, er „stehe da“, während ein anderer „liegt“; vielleicht besonders beispielhaft liegt. Oder so liegt, wie man sich selber zum Einschlafen hinlegt.

Robert Mosers bemalte, eingedrückte und ausgebeulte Schachteln reden zum Betrachter von Empfindungen und Erfahrungen; von seinen – Robert Mosers – Empfindungen und Erfahrungen. Sie tun es, indem sie den Betrachter an jenes Bergen, Preisgeben, Blähen, Knicken, Drücken, Ziehen, Dagegenhalten und Nachgeben erinnern, das er von sich selber kennt. Unausgesprochen, aber zwingend steckt dahinter die an den Rezipienten gerichtete Aufforderung, die Arbeit bei der Betrachtung nochmals zu erschaffen.


Immanuel Kant schrieb 1786: „Was heißt: sich im Denken orientieren?“   Und er stellte fest, dass „die Vernunft selber ihr Muster an der Orientierung im Raum hat“, dass eine Vorstellung von Raum unserem Denken vorangeht. Ein gesichertes Wissen über Raum werden wir nie erlangen und Raumvorstellungen haben sich im Laufe der Zeit verändert und entwickelt: Da wurde ein grundsätzlicher Streit zwischen den Vertretern des dualistischen Konzepts eines leeren von Körpern unabhängigen Raums (in den Körper hinein gestellt werden) und einer relativistischen Tradition, die davon ausgeht, dass Raum sich aus der Struktur der aufeinander bezogenen Lagen der Körper ergibt, vom Goldgrund göttlicher Offenbarung verdeckt: Im späten Mittelalter wurde der Raum als Hülle oder Schachtel auf jenen Körper bezogen, den er umgibt, und in der Renaissance aus einem Zentrum im Auge des Betrachters heraus konstruiert. Als Paradigmenwechsel erwies sich in der Moderne die Erweiterung der Vorstellung vom gesehenen, vom festen Standpunkt aus betrachteten, statischen –, zum durchmessenen, kyn– und synästhetisch erfahrenen, fließenden Raum.

Praktisch erleben wir Raum als eine in drei zueinander senkrecht stehenden Richtungen ausmessbare Leere, welche allen materiellen Objekten eine Ausdehnung ermöglicht. Als grundlegendes Orientierungsmodell existiert Raum jedoch nur in Relation zu diesen Objekten, weshalb unser Nachdenken über Raum stets bei jenen Dingen beginnen muss, die ihn begrenzen und strukturieren. Das schließt uns Menschen, die damit zugleich Objekt und Subjekt in einem Raumgeschehen sind, mit ein.

Robert Moser hat in seinen nach Farben benannten Arbeiten einen expliziten Bezug zum Raum erzeugt, indem er sie mit ihm verschränkt. Durch Löcher, in Auslassungen und Zwischenräumen hängt der umgebende Raum in die Massevolumen hinein. Binnenräume verknüpfen sich mit dem umgebenden Raum. Weil die Dicke der den Binnenraum umschließenden Körper eine – verglichen mit ihrer Längen- und Breitenausdehnung – zu vernachlässigende Größe aufweist, weil also die Begrenzungen des Binnenraums Flächen sind und weil diese Flächen eine gewisse Beweglichkeit oder eine temporäre Existenz haben und das Verhältnis von Binnen- und Außenraum (zumindest potentiell) variabel erscheint, empfinden wir diese als „Hüllen“. Im Unterschied zu Massevolumen, die nur im Bezug auf einen Betrachterstandpunkt oder in einer Mehrzahl vorkommend Raum strukturieren, verorten sich Hüllen (durch die Trennung von Innen und Außen) selbst. Und zwischen einzelnen Hüllen oder zwischen einer durch Seiten einer Hülle gebildeten Raumgrenze und der Wand eines umgebenden Raums können Raumkörper entstehen, gestalthafte Raumformen, die ohne kontinuierliche materielle Grenzen auskommen. Die in Tableaus festgehaltene Gegenüberstellung von plastischen Arbeiten mit Fotos von Umweltsituationen illustriert Robert Mosers Wahrnehmung von Raum als einem Spannungsfeld ständig fließender Wechselwirkungen von Eingeschlossenem und Umgebendem. Darin atmet er und atmen wir (auch in einem wörtlichen Sinn) im Fluidum mit.

In Robert Mosers letzter in Paliano realisierter Installation und im Entwurf für die nächste (im Park des Öster-eichischen Kulturinstituts in Rom) werden Formen stereometrischer. Und die Hüllen verwandeln sich zunehmend in Körper, deren Gestalt mit der Bezeichnung architektonischer Grundformen (Stiege, Tor) nicht eindeutig gegen-ständlich, aber benennbar wird. Trotz der Eigenständigkeit ihrer Teile ist deren Kombination kein im Nachhinein getroffenes Arrangement; ihre Form erhielten sie im Bezug auf das Ganze. Ihr räumliches Zueinander folgt – im Unterschied zu jenem früherer, mehrteiliger Arbeiten –, nicht jenem immer und überall anwendbaren Ordnungs-prinzip der Reihung; die Massevolumen sind so positioniert, dass zwischen ihnen (zum umfassenden, unendlichen Raum hin offene –) in ihrem Volumen jedoch definierte Binnenräume entstehen. Deren Eigenschaften erscheinen so sehr als Qualität eigener Art, dass sie als Raumform der Gestalt der begrenzenden Massenvolumen gleichwertig werden, d.h. es wird nicht mehr ersichtlich, ob der Verlauf der Grenze zwischen Masse und Raum durch die Form der Masse oder von der Form des Raumes bestimmt wird.

Die jüngsten Arbeiten von Robert Moser zeigen keine ganz andere Welt als seine früheren Plastiken und Installationen; sie enthalten gleiche – oder zumindest ähnliche Elemente. Diese Elemente werden jedoch nicht mehr (auf der Suche nach einer mitteilbaren Form) in aleatorisch erzeugten oder gegebenen Zusammenhängen nachgezeichnet, sie verkörpern vielmehr Erfahrungen, die sich in der Versuchsanordnung eines „Werks“ bewähren müssen – die als Körper ihren Platz behaupten müssen und im Zueinander ihre Bezüge darstellen.

Univ.-Prof. Ruedi Arnold war Leiter der Klasse für Bildhauerei Universität Mozarteum in Salzburg

Robert Moser "Installation "Tor Pfeiler Treppe, Palinao 2006


 

 

Anneliese M. Geyer: Deformation und Konstruktion - zum künstlerischen Werk Robert Mosers (Katalogtext 2004)

In dem hier vorliegenden ersten Katalogprojekt Robert Mosers - von der Diktion „Projekt“ muss wohl ausgegangen werden, unterscheidet sich doch die vorliegende Form signifikant von der sonst üblichen Art der Publikationen - findet sich eine Werkauswahl des Steyrer Künstlers aus den letzten elf Jahren, die gleichzeitig den Zeitraum seiner freischaffenden Tätigkeit in Schwerpunkten umschreibt.
Betrachtet man also die einzelnen Werkgruppen und Arbeitszyklen in den drei weiteren Heftteilen des Schubers, dann könnte die Vermutung nahe liegen, wenigstens drei verschiedene Medien oder Kunstgattungen vor sich zu haben.
Einerseits sehen wir Skulpturen, andererseits Malerei auf Papier und Leinwand und weiters Fotografie beziehungs-weise collagenartig zusammengefügte Fotoserien, die auf den ersten Blick - wie auch die Einzelhefte signalisieren - wenig Verbindendes aufzuweisen scheinen.

Bei eingehender Auseinandersetzung erschließt sich jedoch eine nachhaltige, stringente Entwicklungslinie, die sich vor allem eines zur Aufgabe gemacht hat: das zu zeigen, was dahinter liegt, die Position zu definieren, Interventionen vorzunehmen.
Kurz: Robert Moser arbeitet mit dem Raum, mit der Idee des Raumes, die umgesetzt wird mit Hilfe der Materialität, mit Hilfe der Farbigkeit des Objektes und des Bildes, das jedoch - im Gegensatz zum Objekt selbst - seinen Objektcharakter verliert, während die Fotoserien - Fototableaus, wie sie der Künstler nennt - die Möglichkeiten kohärenten Raumbezugs ausloten.
Moser spannt damit den Bogen von der immateriellen Malerei über die Farb-feldmalerei bis hin zur arte povera und schafft auf dieser Basis eine eigene, ihm gemäße Ausdrucksform, die nach seinem Studium an der vormaligen Hochschule und heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst Mozarteum in Salzburg bei Professor Ruedi Arnold bereits zahlreiche nationale und internationale Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen folgen ließ. Seine Arbeiten befinden sich in privatem und öffentlichem Besitz, etwa der Stadt Steyr, der Stadt Salzburg oder des Landes Oberösterreich, Arbeiten, die alle im Kontext der hier beschriebenen Werkgruppen des Künstlers stehen.

Farbobjekte nennt Robert Moser die sich größtenteils aus Karton generierenden Objekte des ersten Heftteils.
Flexibilität, Ausdehnung, Druck und Zug beschreiben seine Skulpturen, die nicht nur stehen oder liegen, sondern auch knicken, hängen oder sich im Raum verspannen. Und obwohl - wie auch in seinen anderen Arbeiten - Farbe die dominierende Rolle spielt und als Titel der Objekte durchwegs Farbbezeichnungen gewählt werden („Gelb“, „Orange“, „Orange vertikal a 2“, „Orange a 4“ usf.), ist eine Attitüde aus dem Werk Mosers unumgänglich: der Umgang mit der Destruktion, der Deformation, die Titel und Performance deutlich konterkarieren und doch zu einem schlüssigen, harmonischen Ganzen machen.
Allen Objekten ist also eine gewaltsame Intervention eigen. Moser legt im wahrsten Sinne des Wortes Hand an, er befasst sich urtypisch mit Material und Form im Sinne eines „nicht öffentlichen Aktionismus“, indem er einen den in Gestalt eines Kubus komprimiert verdinglichten Raumbegriff selbst künstlerisch bearbeitet und zum anderen das solchermaßen gestaltete Raum-im-Raum-Objekt in Relation zu dem Raum setzt, der das Objekt umgibt, also zum Außenraum.
Trotz alldem bleibt er bei einem klassischen bildhauerischen Konzept, das dann die Basis bildet für die malerische Einwirkung.

Unter dem Thema „Raumstrukturen“ firmieren die malerischen Arbeiten des zweiten Heftteils, die in einer etwas früheren Werkphase aus dem Jahr 1999 bereits die plastischen Interventionen vorwegnehmen und die einzig konkreten Bildtitel „Häuser“ tragen.
Direkten Bezug auf den Raum nimmt eine Reihe von Arbeiten, die sich durch das gesamte künstlerische Werk Robert Mosers ziehen, abstrakte Lineaturen, die sich, anfangs eckig, dann fließend über das gesamte Bildfeld spannen - sich wiederum ver-spannen - oder flächig den Raum besetzen. Wieder spielt die Farbigkeit eine bedeutende Rolle, und wieder zeigen die Arbeiten eine teils gewaltvolle Intervention, wirken beschädigt, nachträglich bearbeitet.

Die letzte Werkphase aus 2003 bringt eine dynamische Weiterentwicklung des Themas: Moser bearbeitet die Leinwände expressiv, trägt Farbe auf, kratzt ab, schichtet auf, reduziert, deckt ab und malt wieder auf. Daraus entstehen hochsensible - man könnte fast sagen - Materialbilder, die dem Betrachter zum einen die vom Künstler eingewirkte Energie, zum anderen eine in ihrer Klarheit fast zenhafte Ruhe vermitteln.
Die Farbflächen zeigen sich linear strukturiert und zeichenhaft, teils mäanderartig ornamentiert, eine zweite Werkgruppe erinnert an die Bildkonzepte eines Rothko, differieren durch ihre Genese jedoch deutlich. Doch auch hier machen die Arbeiten durch die Technik des Künstlers den Raum unmittelbar und ohne Realitätsbezug erlebbar.

Die „Fototableaus“ des dritten Heftteils verstehen sich als fast logische Ergänzung des Vorangegangenen. Die sechsteiligen Ensembles, die Stoß an Stoß formiert werden, verbinden nun Farbe und Form mit einem realen - vordergründig desillusionierenden - Raumerleben. Gemäß seines deformativen Impetus wählt Robert Moser vergleichsweise enge Bildausschnitte aus Motiven wie Lagerhallen oder Werksgelände.
Durch die genaue Farbigkeit und die Kombination mit seinen Objekten, die er in das Sujet setzt, generiert sich das Tableau jedoch zu einer abstrakt-leichten, rein fotografischen Variation eines „combined painting“, einer modifizierten Form der „junk art“, in der die Kehrseite der Konsumgesellschaft, hier: Industrie und Logistik, durch die künstlerische Intervention gleichsam nobilitiert wird.

Wir sehen uns hier also mit dem Werk eines Künstlers konfrontiert, der scheinbar viele Einflüsse auf sich vereinigen kann, ohne deshalb seines eigenen Stils verlustig zu gehen. Und selten gelingt es einem Künstler, den selbst an das Werk gestellten Anspruch so authentisch zu erfüllen.
Malerei, Plastik und Fotografie fügen sich zusammen zu einem künstlerischen Universum, das sich gerade in seiner Ganzheit dem Betrachter vollständig erschließt, Einzelobjekte können immer als pars pro toto gesehen werden.
Es sind leise, aber tiefe Arbeiten, deren ganze Wirkung auf einen kontemplativen Vorgang des Betrachtens abzielt.
Und Robert Moser selbst? Eine ebenso ruhige, leise Persönlichkeit. Er tritt hinter seine Arbeit zurück, wird gleichsam Teil des Ganzen, und es ist fast unmöglich, solch immense Energie und harten körperlichen Einsatz hinter ihm und einem derart klar strukturierten Werk zu vermuten.

Mag. Anneliese M. Geyer, Direltion Kultur Land Oberösterreich, ist Kunsthistorikerin und Germanistin und leitet DIE KUNSTSAMMLUNG des Landes Oberösterreich.

Robert Moser Ausstellung Galerie Schloss Puchheim 2006


Martin Hochleitner: Robert Moser – Musik im Bild
Rede in der Galerie Pimmingstorfer November 2000 (Abschrift einer Videoaufzechnung)

Robert Moser als Person, als Mensch ist ein Künstler, der in Steyr geboren wurde und der in Salzburg an der Hochschule Mozarteum bei Ruedi Arnold studiert hat. Er ist seit knapp zehn Jahren im Ausstellungsbetrieb hier in Österreich präsent.
Wobei das, was Sie hier sehen, etwas ganz Besonderes ist: Es sind Arbeiten, die allesamt in den letzten Monaten entstanden sind. Und das, was Sie sehen, ist eine kleine, sehr kompakte Aus wahl aus einer Werkgruppe, die enorm ist. Es sind an die 200 Arbeiten zu diesem speziellen Spannungsfeld bildende Kunst/ Malerei zur Musik entstanden.
Ich habe bisher ausschließlich einmal die Möglichkeit gehabt, Robert Moser in seinem Atelier in Steyr zu besuchen und mir ist dabei vor knapp vier, fünf Jahren eine künstlerische Position auf gefallen, die ganz subtil mit der Farbe umzugehen versucht: Farbe als ein wesentliches Element, wo man sehr viel Sinnlichkeit hinein geben kann, Farbnuancen, Farbräume, auch verschie dene Strukturen, Zyklen, die er entwirft.

Und es war sehr spannend nunmehr zu sehen, wie Robert Moser auf diese Themenstellung, auf die Konfrontation zur Musik, auch auf Instrumente reagiert hat. Was Sie sehen ist grundsätzlich alles einmal sehr ähnlich, natürlich es kommt aus einer Autorenschaft von einem Künstler, zeigt aber dann auch zentrale Differenzierungen.

Der Künstler hat immer eine Farbschicht - ganz eine monochrome Farbschicht - an den Beginn gestellt: und zwar als Farbschicht meistens Rot. Die trocknete dann auf und dann wurde mit Pigment angerührte Dispersionsfarbe als eine sehr kompakte dicke Farbmasse auf diese rote Fläche gelegt und in diesen weichen Stoff, in diese Farbmasse hat er dann hineingraviert, also Farbmasse verdrängt, herausgehoben und es sind lineare Strukturen entstanden. Das können Sie sehr, sehr schön sehen, wenn Sie sich die Arbeiten anschauen: die Plastizität der Farbe und diese ganz spezielle Technik, die der Künstler hier angewandt hat, die Form der Malerei, die im Grunde das Umgekehrte ist von sonstiger Malerei, ist Farbe ja im Grunde von der Leinwand wie der weggenommen worden. Was auch aus dieser Strukturierung der Linie bewusst wird, ist, dass die Linie das zentrale Element der künstlerischen Komposition ist, Die Linie ist optisch konstitutives Element auf der Farbfläche. Es ist also eine schöne Verbindung von malerischen Farbmalen mit linearen graphischen Strukturen. Und was erzeugt er mit diesen graphischen Strukturen? Es ist eine Faszination an den Men schen, an der Figuration, zumeist konzentriert auf den Kopf und in ein sehr subtiles Spannungsfeld dann zu den verschiedensten Instrumenten gebracht. Es ist eine Kunst, die sehr stark von der Andeutung lebt und auch die Faszination an der Auseinandersetzung mit der Musik impliziert.

Musik und bildende Kunst, das ist oftmals wie Wasser und Feuer; aber oftmals etwas, was sich unglaublich anzieht, was sich gegenseitig befruchtet und immer ein grundsätzliches Phänomen auch für die Künstler auch des 20. Jahrhun derts war als eine Reaktion auf Klänge eine bildli che Umsetzung anzustreben. Also eine Harmonie - eine harmonikale Struktur - die er auch mit optischen Mitteln umzusetzen versucht. Es ist oftmals so, wenn Sie sich Musik anhorchen, das ist etwas, was viel mit Klängen zu tun hat, wo Harmonie, Dissonanzen - was weiß ich - immer im Mittelpunkt stehen, wo Sie sowohl fasziniert sein können von einem packenden Rhythmus oder auch von einer Stille, wenn sie subtil gesetzt ist. Ein breites Spektrum im akustischen Bereich, das natürlich auch im Optischen möglich ist. Und es ist wunderbar eigentlich, wenn man sich das an schaut: Viele Künstler setzten auf die Reduktion in der bildlichen Formulierung, es gibt so auch viele Musiker, die diese Zurücknahme in der zeitgenössischen Musik suchen. Andere versuchen das eruptive, das expressive Moment in den Vordergrund zu stellen und auch hier gibt es dann bildliche Äquivalente. Also eine sehr packende Sache, die Sie sehen, und noch einmal zurück zu diesen Differenzierungen. Sie werden Arbeiten sehen, wo ein Farbton ausgelotet ist, Rot-Gelb-Töne, andere wiederum, wie hier, wo Grün in den Vordergrund tritt, oder auch, wie hinten, wo Blau- und Grüntöne wiederum in ein Spannungsfeld gesetzt sind. Also ein kleiner Ansatz war hier für einen Künstler, Robert Moser, etwas ganz, ganz Spannendes sich intensivst auseinanderzusetzen. Und man muss wirklich gratulieren zu dieser Werkproduktion und zu dem, was hier dann kompakt auch ausgewählt wurde.

Dr. Martin Hochleitner (2000 Leiter der Öberösterreichischen Landesgalerie) ist Leiter des Salzburg Museums.

Robert Moser aus der Serie "Musik", Pigmente auf Leinwand, 60 x 70cm, 2000


 

 

Gottfried Goiginger: Raum auf Probe - Anmerkungen zu den Arbeiten von Robert Moser

Der Himmel verdunkelte sich plötzlich. Regentropfen klatschen auf den heißen Asphalt. Robert Moser presst den Karton, den er aus einem Altpapiercontainer geholt hatte, fest an sich.

Der Regen wird stärker. Dazwischen ein großer, hagerer Mann. Der Karton an seinem Körper ist völlig durchnässt. Er ist weich, beinahe anschmiegsam.

Als Robert Moser im Atelier ankommt, hat der Karton den Abdruck des Künstlers aufgenommen. An diesem Abend, erinnert sich Robert Moser, beginnt die künstlerische Arbeit mit Kartonschachteln. Die langjährige Auseinandersetzung mit dem banalen Industrieprodukt, mit dem entschieden alltäglichen Verpackungsmaterial. Mit dem Behälter und Speicher, mit dem leichten, flexiblen Container. Mit dem bewährten und traditionellen Produkt, das trotz seiner Leichtigkeit Schutz und Sicherheit bei Transporten bietet. Das sich in seiner Alltäglichkeit als geschichtsträchtig und rätselhaft herausstellt. Robert Moser gibt diesen Schachteln, die als Alltagsprodukte Ver-sprechungen ausschließlich in ihrem Inneren bergen, ihre Äußerlichkeit, ihre Oberfläche zurück. So paradox es klingen mag, aber indem er sie deformiert, einreißt und bemalt, rekonstruiert er sie. Entledigt sie ihrer Funktionen.

Was sich als zeitweilig herausstellt, denn ein Behälter bleibt ein Behälter und löst als solcher letztlich Spekulationen über sein inneres aus. Das Sichtbare und das Vermutete, das Tatsächliche und das Erfundene verweisen jeweils aufeinander und wechseln einander ab.

Robert Mosers Schachteln - obschon statische Kunstwerke - transformieren sich in Permanenz. Mir scheint sogar, dass ihre eindeutige Skulpturhaftigkeit zuweilen schwindet, dass sie sich, indem sie über ihren Hohlraum hinwegtäuschen, hinwegfliehen, zu Materialbildern formieren, dass sie sich gleichsam ihren Raum entziehen und sich damit - jegliche intellektuelle Interpretation torpedierend - in eine Zweidimensionalität reduzieren, die der wirklichen Anschauung natürlich völlig zuwider läuft. Dieses Changieren fasziniert mich. So wie mich die formale Strenge, die Konzentration fasziniert. Und die rigorose Ausblendung von Problemen, die außerhalb des Formalen liegen.

Die Schachteln sind malerische Male. In ihrer gerade eben wahrnehmbaren Differenz zum Alttags-, zum Gebrauchsgegenstand vermitteln sie eine poetische Sinnlichkeit, die selten geworden ist in der Jetztkunst.

Während Robert Mosers Skulpturen sich zuweilen ihrer Dreidimensionalität entziehen, ist in den Gemälden der ständige Verweis auf den Raum zu finden. Mit wenigen, dem Untergrund entlockten Strichen schafft der Künstler bizarre Architekturvorstellungen, die kein Baumeister realisieren könnte. Skulptur und Gemälde bilden so eine - nicht auf den ersten Blick ersichtliche - Schnittmenge.

Die Methode des mehr oder weniger ersichtlichen Aufeinanderbeziehens hat Robert Moser fast zwangsläufig zur Fotografie geführt. Seine Kartonobjekte hat er im Außenraum arrangiert und zu Gruppen gefügt, die sich immer wieder verwandeln können. Diese Momente, diese fragile Zeitweiligkeit hat er in souveränen Augenblicks-kompositionen festgehalten, um so - wiederum folgerichtig - auf die Wandlungsfähigkeit seiner Kunstwerke hinzuweisen.

Verblüffend an den Fotografien ist, dass sie niemals den Anschein von dokumentarischen Abbildern erwecken, dass sie sich in einem seltsamen Gleichgewicht von absoluter Strenge (im Arrangement) und scheinbar willkürlicher Zufälligkeit (in ihrer Situierung und der Betrachterperspektive) befinden.

In den Tableaus von sechs aneinander gereihten Fotografien (einer noch nicht abgeschlossenen Reihe) führt Robert Moser seine deformierten Schachteln zu ihrem Ausgangspunkt, zu ihrem Herkunftsort zurück. Er konfrontiert sie mit Alltagssituationen, in denen Verpackung und Verhüllung, Transport und Verwahrung eine entscheidende Rolle spielen. Ziel dieser Arbeit ist, ein visuelles Vermengen, das am Ende den künstlerischen Eingriff aufhebt und ihn gleichsam zum Verschwinden bringt: „So soll der Kreislauf geschlossen sein, der mit dem Auffinden von Verpackungsmaterial und der künstlerischen Verarbeitung begonnen hat..."

Dr. Gottfred Goiginger ist bilderner Künstler, Kunsthistoriker und leitete die Galerie 5020 Salzburg

Robert Moser Fototableau 2001


 

 

Ruedi Arnold: Zur Ausstellung Robert Moser - Raumstrukturen,
Galerie der Stadt Salzburg im Mirabellgarten 1994

Da ist zunächst die Verwunderung darüber, dass sich so strenge Form mit so viel Handschrift so gut verträgt. Dann kommt die Feststellung, dass die scheinbar konzentrischen, quadratischen Bildfiguren keine gemeinsamen Diagonalen haben, und dass auch jene ebenfalls quadratische Fläche, welche das Zentrum markiert, nicht genau über jenem Punkt liegt, in dem sich die Koordinaten des Formats halbieren.
Das macht deutlich: Es geht Robert Moser (auch) um die Mitte. Um eine Mitte, die sich weder durch den gleichen Abstand zu Rändern definiert, noch dort entsteht, wo Überschneidungen von Linien, die manches mit möglichst vielem verbinden, den dichtesten Knäuel bilden. Die aber auch kein Ort ist, der in meditativer Versenkung zu ermitteln wäre.
Mitte als Standpunkt, der gefunden sein will, um von ihm ausgehend zwischen Gegensätzlichem zu vermitteln.

Univ.-Prof. Ruedi Arnold ist Leiter Bildhauereiklasse Universität Mozarteum in Salzburg

Raumstruktur, Pigmente auf Papier, 48 x 65 cm, 1993

 



 

Robert Moser: Die Installation von Paliano - die eigene Arbeit an einem Beispiel

Die Objekte "Tor", "Stiege" und "Pfeiler" - jedes Objekt positioniert auf ausgesuchtem Standort, frei stehend zwischen Bäumen - muten auf den ersten Blick an, als seien sie autonome, in sich abgeschlossene Arbeiten. Die drei verschiedengestaltigen, im gleichen Rotorange gefassten Objekte sind jedoch in ihrem räumlichen Zusam-menspiel, in ihrem Mit- und Zueinander mehr als Einzelobjekte. Ein Objekt steht für einen Punkt, zwei Objekte erzeugen eine Strecke, drei aber beschreiben einen offenen Raum. "Tor", "Stiege" und "Pfeiler" lassen folglich als Dreiergruppe eine präzise definierte, gestaltete räumliche Zone entstehen und bilden ein in sich geschlossenes Ganzes.

Giovanni Gabrieli komponierte für San Marco nach der in Venedig vom Niederländer Adrian Willeart um die Mitte des 16. Jahrhunderts entwickelten neuen Technik der "cori spezzati", der Mehrstimmigkeit. Durch die Verteilung der Sängergruppen und Instrumentalisten über die verschiedenen Ebenen im gesamten Kirchenraum erhält Gabrielis Musik eine zusätzliche Dimension in ihrer räumlichen Klangwirkung. Luigi Nono konzipierte gut 400 Jahre später den "Prometeo", seine "tragedia dell´ascolto", ebenfalls für den Kirchenraum von San Marco und führte das stereophone Konzept Gabrielis fort. Nono geht an die Grenzen der Hörbarkeit, bereits das Umblättern der Partitur während der Aufführung würde sein fein balanciertes Klanggewebe beeinträchtigen. Nonos Musik füllt Räume mit Stille. Nono ist mir zum Vorbild für Genauigkeit, Sparsamkeit in den Mitteln und für Sorgfalt geworden.

Um 1600 bemerkt man nicht nur in der Musik einen Wandel in der Sicht auf die Dinge, welcher sich auch in einer an-deren Wahrnehmung des Raumes und damit verbunden in neuen räumlichen Konzepten ausdrückt. In der Zeit des Frühbarocks werden in Rom Innenräume von Kirchen errichtet, welche Kunsthistoriker nicht zu Unrecht als erste Rauminstallationen interpretieren. Einflüsse dieser Art aus Musik und Kunst sind in "Tor - Stiege - Pfeiler" verarbeitet worden. Es gibt in "Tor - Stiege - Pfeiler" nicht (mehr) die Situation des eine Distanz schaffenden Gegenübers von Werk und Betrachter, vielmehr steht der Betrachter in Relation zu den ihn umgebenden Objekten. Der Betrachter wird gewissermaßen zum Teil der Installation.

"Tor - Stiege - Pfeiler" wurde gemacht für die Landschaft zwischen Neapel und Rom mit der für diese Gegend charakteristischen Sonne. Das Licht ist dann besonders, wenn es abends die Farben intensiver werden lässt. Im Abendsonnenschein leuchtete das Rotorange der Objekte vor dunkelgrünen Blättern und schwarzen Bäumen als würde es glühen.

Paestum - nicht nur wegen des Farbenspiels am Abend eine der eindrucksvollsten griechischen Tempelanlagen - liegt nahe der alten, kleinen Stadt Paliano, in dessen Umgebung ich "Tor - Stiege - Pfeiler" geformt und aufgebaut habe. Mit einem Titel, der auf Architektonisches verweist, habe ich indirekt die Erinnerung an die Antike wachgerufen. Die Sehnsucht nach längst vergangenen Zeiten ist natürlich wohl kaum damit intendiert, trotzdem spielt die Betrach-tung von Paestum sehr wohl eine Rolle für die Ausgangsidee von "Tor - Stiege - Pfeiler". Matila C. Ghyka weist 1931 in einer Zeichnung auf die hochinteressante Beziehung zwischen der Tonleiter des Pythagroras und den Säulen-Intervallen des Parthenon hin. Griechische Baukunst ist sinnlich und kunstvoll. Römische Bauten funktionieren, aber ihre Maße wirken eintönig, weil sie mit immer den gleichen Abständen konstruiert sind. Tempel der Griechen, ob in Paestum oder in Athen, sind nicht nur aus den oben genannten Gründen lebendige Architektur. Griechische Bau-werke schwingen in Intervallen, in bestimmten Rhythmen in den Weiten der Landschaft wie Musik: Sie besitzen das richtige Maß und eine gute Proportion. Solche grundsätzlichen Zusammenhänge stehen im Zentrum meiner Auf-merk-samkeit als Bildhauer, wenn ich Lebendigkeit durch das Erzeugen von Spannung und Form erzielen möchte.

Hörerlebnisse bestimmen auf geistige und emotionale Weise mit, wie wir Raum erleben. Inmitten des Klanges erfährt der Hörer bei Nono, bei Gabrieli und bei Pythagoras befördert durch das Medium Musik eine Aneignung des Raumes. Musik spricht mit Hilfe von Proportion, von Rhythmus, Stille, Leere, von Form zu uns. Ich hoffe sehr, dass "Tor - Stiege - Pfeiler" mit seinem Maß, den Zwischenräumen, seiner Proportion, der Position im Raum, seiner Form, seinem Raum den hohen Ansprüchen einer bildhauerischen Sprache, die Verstand und Emotion anspricht, genügt.

Unsere Zeit ist die Zeit flacher Bildschirmoberflächen und von Information mit Lichtgeschwindigkeit. Die Fülle der auf den Menschen durch Massenmedien, Reklame, Lärm einwirkenden Reize macht Orientierung schwierig. Das Den-ken droht zu verflachen, wird eindimensional. Das alles macht die Auseinandersetzung mit dem Raum ist so drin-gend, ebenso ein Sichverlangsamen in der Beschleunigung. Meine Arbeit sucht nicht nach den schnellen Sensa-tionen des Neuesten. Kunst arbeitet mit Symbolen. Symbole sind nicht Moden unterworfen. Es geht in der Kunst um zeitlose Qualitäten wie Authentizität, Gegenwärtigsein und Wahrhaftigkeit.

"Tor - Stiege - Pfeiler" ist mit einfachen technischen Hilfsmitteln und der erforderlichen physischen Anstrengung von mir alleine in den ersten drei Maiwochen des Jahres 2006 hergestellt worden. Regen, Sonnenschein, Hitze, starker Wind bildeten Rahmenbedingungen, die ich nur durch geschickte Improvisation den Arbeitsschritten anpassen konnte. In einer der großen Alleen, derjenigen, die am Atelierhaus und am Kunstverein Zerynthia vorbei zu den Haupt-gebäuden des Landguts der Fürsten von Colonna führt, erfolgte die Aufstellung der Installation. Die Atmosphäre, die Ruhe und die Kraft der alten Kulturlandschaft gaben mir jene Konzentration, die eine solche Arbeit braucht.

Robert Moser, Februar 2007

Robert Moser "Tor Stiege Treppe", Paliano 2006